Theorie der Ordnungspolitik

Der Terminus „Ordnungspolitik“ wird im deutschen Sprachgebrauch für zwei unterschiedliche Dinge gebraucht. Zum einen stellt Allgemeine Ordnungspolitik auf die Grundfrage ab, welches wirtschaftliche Lenkungssystem die Einzelpläne der Wirtschaftssubjekte koordinieren soll. Ergebnis der Entscheidung kann eine Marktwirtschaft sein, jedoch genauso auch eine Zentralverwaltungswirtschaft oder ein weiteres Wirtschaftssystem

Spezielle Ordnungspolitik – um die es hier geht - bezeichnet hingegen alle staatlichen Maßnahmen, die auf die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens, also die Erhaltung, Anpassung und Verbesserung der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung gerichtet sind. Insbesondere besteht die spezielle Ordnungspolitik aus der Schaffung und Erhaltung eines funktionierenden Preissystems durch Leistungswettbewerb, der Definition von Eigentumsrechten und Haftungsregeln sowie einer konsequenten Wettbewerbspolitik. Dieser Ordnungspolitik gegenüber stehen alle interventionistischen Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen, welche den Marktprozess behindern.

Arten von Ordnungen

Arten von Ordnungen

Eine Ordnung stellt einen ganzheitlichen Zusammenhang von Teilen oder Elementen einer organisatorischen Einheit (Organisation) oder eines umfassenden Regelwerkes (Rechtsordnung) dar. Bezüglich ihrer Entstehung kann insbesondere zwischen zwei Arten von Ordnungen unterschieden werden: Spontane Ordnungen und gesetzte Ordnungen. Spontane Ordnungen entwickeln sich im Verlauf des autonomen Handelns von Individuen (Evolution), z.B. Markt, Traditionen, Sprache. Spontane Ordnungen sind somit „Ergebnis menschlichen Handelns, aber nicht menschlicher Absicht“ (Hayek). Im Gegensatz dazu entstehen gesetzte Ordnungen durch Anordnung einer zentralen Instanz (Staat, Behörde etc.), z.B. Bürokratie. Sie können durch einen demokratischen Entscheidungsprozess (Vertrag) oder durch autonome Entscheidung eines Machthabers (Diktatur) begründet werden.

Arten von Ordnungen

Arten von Ordnungen

Entsprechen kann man eine Wirtschaftsordnung als Summe aller Regeln, Normen oder Institutionen, die als längerfristig angelegte Rahmenbedingungen wirtschaftliche Entscheidungs- und Handlungsspielräume von Individuen oder Wirtschaftssubjekten abgrenzen definieren. Die besondere Bedeutung der Wirtschaftsordnung liegt in der Schaffung spezieller Anreize, d.h. sie bestimmt die Beziehungen zwischen den Wirtschaftssubjekten.

Eine Marktwirtschaft ist eine Wirtschaftsordnung, in der Produktion und Verteilung aller Güter und Dienstleistungen über Angebot und Nachfrage, d.h. über Marktprozesse, frei gehandelt und getauscht werden. Sie ist damit ein typisches Beispiel für eine spontane Ordnung. Wie alle anderen spontanen Ordnungen ist sie durch Komplexitätund verstreutes Wissen gekennzeichnet. Die Ergebnisse einer Marktwirtschaft können daher nicht prognostiziert werden. Lediglich Mustervorhersagen sind möglich. Wirtschaftspolitisch ist es daher sinnreich, in einer Marktwirtschaft nur den Ordnungsrahmen vorzugeben, also die Prinzipien festzulegen, innerhalb derer sich das marktwirtschaftliches System entwickeln kann.

Quellen / Literatur:

Hayek, Friedrich August von - Arten der Ordnung, in: Freiburger Studien, Tübingen 1969, S. 32-46.

Theoretische Fundierung
Prinzipien einer Wettbewerbsordnung
Systemwettbewerb